Vorab: Der nachfolgende Kurzbericht über einen Artikel auf sueddeutsche.de ist nicht geeignet für Kinder.
Viel ist nicht bekannt, über die Arbeits- und Gefangenenlager in Nordkorea.
Aber im Onlineteil der Süddeutschen gab es heute etwas darüber zu lesen:
Son Ok Lee verbrachte mehrere Jahre in einem solchen Lager und schildert in ihrem Augenzeugenbericht die Umstände ihrer Inhaftierung. Dabei beginnt die Qual schon vor ihrer Verurteilung:
Während einer vierzehn Monate dauernden Voruntersuchung wurde ich gefoltert und am Ende gezwungen, die falschen Anschuldigungen zuzugeben.
In den Gefängnissen selbst werden die Gefangenen nicht nur strengen Regeln, sondern auch der Willkür ihrer Wärter unterworfen.
Die Regel lautet, dass eine Gefangene zum Aufseher laufen und sich mit gesenktem Kopf vor ihm auf die Knie fallen muss, sobald sie aufgerufen wird. Natürlich darf sie nichts sagen, sondern nur Fragen beantworten. Wer nicht schnell genug antwortet oder sich bewegt, dem wird ins Gesicht oder vor die Brust getreten. Wer den Kopf hebt oder die Glieder streckt, wird schwer bestraft.
Folter scheint an der Tagesordnung zu sein. Lee beschreibt, wie sie der Wasserfolter ausgesetzt war:
Sie banden mich auf dem Tisch fest und zwängten mir die Tülle des Wasserkessels in den Mund.
Sie war so geformt, dass sie meinen Mund weit aufsperrte und ich nichts dagegen tun konnte, dass das Wasser in mich hinein lief. Dem Ersticken nahe, musste ich durch die Nase atmen. Mein Mund war voller Wasser, das mir in die Nase stieg. Als ich durch den Schmerz und die Atemnot das Bewusstsein zu verlieren begann, konnte ich nichts mehr sehen, aber ich hatte ein Gefühl, als würde ich in der Luft schweben.
Ich hatte schon alle möglichen Folterungen durchgemacht, Peitschenhiebe, Schläge mit Gummiriemen oder harten Stöcken. Mir waren auch schon Holzstöcke zwischen alle zehn Finger gesteckt und dann die Hände zusammenquetscht worden, aber das hier war schlimmer als alles andere.
Ähnlich wie auch in früheren russischen Gefangenenlagern gibt es auch in den nordkoreanischen Lagern spezielle Zellen zur Bestrafung. Zunächst klingt eine Einzelzelle wie ein Privileg, da die Insassen normalerweise in Räumen von fünf mal sechs Metern mit bis zu 90 anderen Gefangenen leben. Allerdings handelt es sich bei diesen Einzelzellen von nur 60 Zentimeter Breite und 110 Zentimetern Höhe.
Die übliche Strafe beträgt zwischen sieben und zehn Tagen für Vergehen wie einen Ölfleck auf der Kleidung, dass man die Neujahrsansprache des Präsidenten nicht auswendig kann oder zum wiederholten Mal sein Arbeitspensum nicht geschafft hat.
Nordkorea ist ein von Hungersnot geprägtes Land. Selbst wenn man alle Flächen des Landes bewirtschaften würde, könnte man das Land nicht ausreichend mit Nahrung versorgen. Selbst viele Soldaten des äußerst privilegierten Militärs sind unterernährt.
So ist die Versorgung der Gefangenen auch völlig unzureichend.
Mahlzeiten für die Gefangenen: Salzsuppe. Volle Mahlzeit: 100 Gramm Maisbrei. Reduzierte Mahlzeit (als Strafmaßnahme): 80 Gramm Maisbrei. Reduzierte Mahlzeit (als weitere Strafe): 60 Gramm Maisbrei.
Fleisch gibt es nicht. Allerdings:
Es gilt als Glückstag, wenn einem aus dem Toilettenloch eine Ratte entgegen gekrochen kommt. Dann fangen sie die Gefängnisinsassen mit bloßen Händen und verschlingen sie roh, denn Ratten sind im Gefängnis die einzige Fleischquelle.
Es heißt, der wundervolle Geschmack einer rohen Ratte sei unvergesslich.
Bis zu 18 Stunden am Tag müssen die Gefangenen arbeiten. Wer sein Arbeitspensum nicht schafft, der wird bestraft. Die Gefangenen stellen oder stellten auch Produkte für westliche Länder her. Son Ok Lee spricht unter anderem von künstlichen Rosen, die an Frankreich geliefert wurden.
Besonders makaber ist der Umgang mit schwangeren Frauen und deren Neugeborenen. Mit Hilfe von Medikamenten wird eine Frühgeburt künstlich eingeleitet. Auf dem Betonboden der Krankenstation bringen sie ihre Kinder zur Welt. Andere Gefangene werden dazu gezwungen, die Babies direkt nach der Geburt zu töten.
Die Krankenschwestern, ebenfalls Gefangene, drückten ihnen mit zitternden Händen den Hals zu, um sie zu töten. Wenn sie tot waren, wurden die Babys in ein schmutziges Tuch gewickelt, in einen Eimer gesteckt und durch eine Hintertür hinausgetragen. Ich war so schockiert, dass ich bis heute in meinen Alpträumen die Mütter um ihre Kinder weinen sehe. Ich habe während meiner Zeit im Gefängnis zweimal gesehen, wie Babys getötet wurden.
Lee zitiert auch eine Krankenschwester:
“Buchhalterin (Ok Son Lee ist gemeint, Anm. von mir), wir sind schlimmere Teufel als Tiere. Sie sagen, die toten Babys werden benutzt, um neue Medikamente zum Experimentieren herzustellen.”
Mich hat der Artikel bewegt, als ich ihn las. Ich beschäftige mich nun seit ein paar Wochen recht intensiv mit Nordkorea und es gibt nicht viele solcher Augenzeugenberichte – es überleben nur wenige Menschen die Lager und noch weniger schaffen die Flucht aus Nordkorea um ihre Geschichte zu erzählen. Umso wichtiger ist die Geschichte von Son Ok Lee.
Der Artikel enthält noch weiter Einzelheiten. Zu empfehlen sind auch die Artikel vom Tagesspiegel und fairplanet.
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