Der Chaos Computer Club hat gegen den Einsatz von Wahlcomputern bei der Landtagswahl in Hessen geklagt und leider verloren. Das war bedauerlicherweise zu befürchten, aber auf sueddeutsche online gab es ein sehr interessantes Interview zu diesem Thema.
Darin verteidigte Christoph Bieber, ein Politikwissenschaftler an der Uni Giessen den Einsatz der Wahlcomputer, da diese alle Probedurchläufe “mit einem oder null Fehlern” bestanden hätten. Verwunderlich, dass Wahlcomputer seiner Meinung nach sicherer als Papier seien, obwohl er zugibt, dass diese teilweise schon bei Testreihen Fehler verursachten. Mir ist z.B. kein Fall bekannt, in dem Fehler bei Papierwahlen auftraten, denn da ist das Wählen einfach: Kreuz nach allen Regeln der Kunst gesetzt oder nicht. Punkt. Bei einem Wahlcomputer steht am Ende des Tages eine Zahl irgendwo und diese muss dann geglaubt werden.
Nach Biebers Aussage seien Papierwahlen sogar leichter zu fälschen als solche, die auf Wahlcomputern durchgeführt wurden. Riskante Aussage. Wenn man einen Wahlcomputer korrekt manipuliert, dann kann das nach oder während der Wahl keiner feststellen. Dagegen fällt es wahrscheinlich auf, wenn jemand Stimmzettel wegschmeißt oder falsch auszählt, denn Wahlzettel können jederzeit nachgezählt werden, sollte man das Gefühl von Ungereimtheiten haben. Bei einem Wahlcomputer schaut man da sprichwörtlich in die Röhre.
Aber das Interview wird noch besser: Bieber behauptet, nur weil man auf einem Wahlcomputer Tic Tac Toe spielen könne, hieße dies bei weitem noch nicht, dass der Stimmzettel gehackt sei.
Klar, es besteht die Möglichkeit, dass der Hersteller einen kleinen Zeitvertreib für die Wahlhelfer einprogrammiert hat, aber ansonsten kämen mir keine anderen Ideen, wie man ansonsten Spiele auf einem Wahlcomputer spielen könnte. Das würde ich mal als durchaus zweifelhaft hinstellen, denn wer Tastenfeldeingaben völlig zweckentfremden kann, der kann auch die Ausgabe der Wahlergebnisse verändern.
Seinen komischen Höhepunkt erreicht das Interview, als Bieber den Widerstand gegen Wahlcomputer auf “Technologiefeindlichkeit” schiebt, wofür der Chaos Computer Club ja allgemein bekannt ist. Das ist einer der lächerlichsten Gründe den ich je gehört habe. Einem der bekanntesten “Hacker-Clubs” der Welt Technologiefeindlichkeit zu bescheinigen, das benötigt schon ein gewisses komisches Potenzial.
Vor allem Interessant ist der Fakt, dass ein Politikwissenschaftler, der außer einem Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet Neuer Medien keinerlei fachliche Qualifikation auf dem Gebiet der Wahlcomputer besitzt, dem CCC als einem der größten Deutschen Denkfabriken zu Themen wie Datenschutz und Internet unterstellt, Technologiefeindlich zu sein. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Solche Aussagen würde ich in der Schublade “gefährliches Halbwissen” einordnen.
Wer sich näher Informieren möchte, dem lege ich die Seiten des CCC sowie den privaten Blog Biebers ans Herzen.
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