Werbeanrufe

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Veröffentlicht von Pierce | Kategorie: Allgemein | Datum: 08.06.2010
Im März 2009 beschloss der Bundestag ein Gesetz zur Stärkung der Verbraucherrechte bei Werbeanrufen. Seitdem hat die Anzahl der Werbeanrufe zwar stark abgenommen, aber trotzdem erreichen viele Menschen nach wie vor fast täglich Werbeanrufe.
Vorhin hatte ich auch das Vergnügen wieder einmal ein sprachgestörtes Gegenüber zu haben: Niemand meldete sich. Da viele sich wundern wie das sein kann und auch einige wilde Theorien dazu kursieren (“die möchten, dass man zurückruft und verwickeln einen dann in ein teures Gespräch!”), möchte ich einfach mal kurz die Technik erläutern, die dahinter steckt.

Wie funktionieren Werbeanrufe?
Eine Firma beauftragt in der Regel einen Kommunikationsdienstleister, meist ein Callcenter (es gibt aber auch andere, die z.B. gleichzeitig noch andere Dienste übernehmen). Dieser übergibt der Auftraggeber eine Datenbank mit Adress- bzw. Telefondaten.
In der Firma sitzen Leute, so genannte Agenten, die diese ausgehenden Anrufe (Outbound-Calls genannt) abarbeiten.
Es ist natürlich viel zu teuer und zu aufwendig einen Call-Center-Agent jede Nummer einzeln anwählen zu lassen (und zu warten, ob jemand ran geht). Daher werden automatisierte Systeme eingesetzt, bei denen die Telefonanlage mehrere Nummern gleichzeitig anruft. Derjenige, der als erstes abnimmt, hat ‘verloren’ und wird vom Agent ‘bedient’. So einfach ist das. Eine populäre Software für die Anwahl ist ttCall.

Wie kommen die Firmen an die Adressdaten?
Die Adressen werden meist ganz einfach gesammelt: Gewinnspiele. So bekommt man schnell eine ganze Menge persönliche Daten der gewünschten Zielgruppe. Diese kann man dann verkaufen oder auch selbst nutzen. Also denkt beim nächsten Mal darüber nach, wenn ihr eure Adresse auf eine Postkarte schreibt und in die Lostrommel werft.

Wie wird man einen lästigen Anrufer wieder los?
Es lohnt sich nicht den Anrufer anzuschreien oder zu beleidigen. Die Jungs und Mädels sind abgebrüht und das perlt ab wie Wasser von der Wagenschmiere, die unser Verteidigungsminister im Haar hat.
Einfach das Produkt oder das Gespräch ablehnen und im Notfall schlichtweg auflegen. Man sollte sich nicht kurzfristig entschuldigen und sagen, dass man später wieder angerufen wird: Die Telefonsysteme können auch das handlen und man wird später wieder angerufen.

Wie schützt man sich vor Werbeanrufen?
Es gibt die sog. Robinsonliste, in der sich Verbraucher mit ihren Daten eintragen können. Seriöse Callcenter nehmen sich dieses zu Herzen und man wird nicht mehr angerufen oder sonstwie gestört.

Woran erkenne ich wer mich anruft?
Das ist leider nicht ganz einfach. Man kann einen Dienst wie whocallsme nutzen und dort nach der Nummer schauen (es müssen ja dank des eingangs erwähnten Gesetzes alle Werbeanrufer ihre Nummer anzeigen), aber da ein Dienstleister für verschiedene Firmen arbeiten kann, ist eine eindeutige Zuordnung oft nicht möglich, da sich die Dienstleister ja mit dem Namen der Auftraggeber melden.

Ich habe für einige Rufnummern mittlerweile Sperren in meiner Telefonanlage programmiert. Dadurch ist die Anzahl der Anrufe schon erheblich kleiner geworden.

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