Wenn man gegen Schäubles Pläne etwas tun möchte, muss man so unermüdlich sein, wie Schäuble selbst.
Das merkte ich gestern, als mich um 05:45 der Wecker aus dem Schlaf riss. Es mag für viele Menschen vielleicht keine sehr späte Zeit sein, aber ich genieße das Privileg, eigentlich immer frühestens um 8 Uhr aufstehen zu müssen.
Um 20 vor sieben stand ich dann beim Herrn Blohm vor der Türe, wir machten uns dann fertig und begaben uns zum Bahnhof Oldenbüttel, wo wir die Regionalbahn nach Bremen HBF bestiegen.
Die nunmehr acht Leute machten sich dann auf die Reise nach Hannover mit Hilfe des Regionalexpresses.
In Hannover sehen wir bereits die ersten Mitdemonstranten. Zusammen begeben wir uns in den Zug Richtung Wolfsburg. Das Abteil teilen wir uns mit einer Gruppe BVB Fans, die sich wohl das Spiel gegen Hertha zu Gemüte führen wollen.
Der Gesang, der von ihnen aus geht, ist sehr schlecht, aber äußerst inbrünstig.
Auf der Fahrt nach Stendal sehen wir dann die ersten beiden weiteren Piraten. Ich bekomme die CreativeCommons-CD des Dortmunder Stammtisches geschenkt (übrigens sehr nette Musik, Download folgt!).
Es ist ein warmer Tag, doch das hindert die Bahn nicht, die Heizung des Zuges von Stendal nach Rathenow bis zum Anschlag aufzureißen. Mich beschleicht der Verdacht, dass es sich um eine Lokführerin handelt.
Dafür ist der Zug von Rathenow nach Berlin klimatisiert. Immer mehr Hertha-Fans steigen zu und auch die stark angetrunkene Voku-Hila-Fraktion übt sich in der Sangeskunst.
Je näher man Berlin kommt, desto lustiger werden die Bahnhofsansagen: Während bei uns im Norden in der Regel keine Melodie die Ansage ankündigt, wird dort fröhlich drauflos gedüdelt, sodass man das Gefühl bekommt, mein sei in Oberbayern und der Lokführer hätte eine ganze Almdudlerkapelle auf dem Führerstand.
Dann steigt “Matte” zu. Auch er gehört der Voku-Hila-Fraktion an und ist schon in einem recht späten Stadium der Trunkenheit.
So fordert er die anderen der Fraktion zum Singen auf (“Lauter!!!”). Als sie das dann tun gebietet “Matte” sofort wieder Einhalt (“Was brüllst denn so rum?”).
Währenddessen sehen wir durch die Scheiben des Zuges die Blüten der DDR-Baukunst, Plattenbauten, wir sehen massig Schrebergärten.
In Spandau schließlcih steigt “Matte” zusammen mit seiner Crew aus.
“Petra, ich komm’ hinterher!”
“Ich heiß Andrea!” (Das hatte sie bis dato schon ca. 50x erwähnt, ohne Erfolg)
“Jaja, ich komm’ hinterher Andrea!”
Herrlich.
Am Hauptbahnhof steigen wir aus und werden von Imkos Cousins abgeholt. Gemeinsam gehen wir zum Pariser Platz, wo bereits eine beträchtliche Menschenmenge wartet.
Es ist ein heller Wahnsinn, wie viele Menschen das waren (15.000 halte ich für eine durchaus realitätsnahe Schätzung).
Nach einigen Ansprachen (FoeBud, AKV, Ver.di [Presse] und einer Ärztevereinigung), setzt sich der Protestmarsch in Bewegung. Mit viel Musik, guter Laune und massig bunten Transparenten, mit witzigen, ersten, eingängigen und vorallem aussagekräftigen Transparenten.
Dabei war auch die Ostprinzessin (ein Mann, dessen Homepage diese hier sein dürfte).
“She was not amused”, könnte man sagen.
Das alles geschieht unter der Beobachtung der Bundespolizei, die mit einer relativ geringen Menge angereist war.
Beim Hotel Adlon werden verdächtige Demonstraten durchsucht, der Zug kommt also schon recht schnell zum Erliegen. Auf der Demonstration sind keine Dosen, keine Glasflaschen, keine Stahlkappen und natürlich keine Messer, Schusswaffen, etc erlaubt.
Dann geht es weiter Unter den Linden entlang.
Der Wagen der Ärztegemeinschaft ist wirklich gut gelungen und bringt deren Unmut über die elektronische Gesundheitskarte super zum Ausdruck.
Was ich persönlich auch sehr fein fand, war die Ansammlung von Piraten, die man aufgrund ihrer T-Shirts gut vom Rest unterscheiden konnte. Auch ein sehr cooles Transparent. Leider liefen sie direkt vor dem schwarzen Block und das Transparent war auch schwarz, aber ich denke, dass sie sich dennoch gut abgehoben haben.
Dann formierte sich die AntiFa zu einem schwarzen Block. Die Polizei wurde nervös. Gleichzeitig fiel auf, dass, entgegen der vorherigen Abmachung, reichlich Polizisten mit Kameras ausgerüstet waren und davon auch ordentlich Gebrauch machten. Ich fühle mit dabei absolut unwohl, denn wer wird schon gegen seinen Willen und mit absolut keiner positiven Absicht gefilmt?
Als dann der schwarze Block sich vollständig formiert hat, ziehen sich die Polizisten ‘spontan’ ihre Handschuhe über. Eine gewisse Spannung ist zu spüren zwischen den grün-Uniformierten und den in schwarz Gekleideten. Die Mundwinkel der Polizisten werden direkt noch etwas weiter nach unten gezogen.
Leider müssen wir schon abdrehen, damit wir wieder die Heimreise antreten können. Immerhin verschlingt die Zugfahrt sieben Stunden unserer Lebenszeit.
Um 17:20 sitzen wir im Zug Richtung Heimat.
Hansa hat 2:0 gewonnen, wie uns “Dufte” erklärte. Die einzigen Worte, die man mit etwas Fantasie noch enträtseln konnte, waren:
“Haaaaaaansaaaaaaaa Rost(o)ck”
“Schalalalalalalalaaaaalaalaaaala”
“Hmmgrrbwwwpmg” (Nagut, das ist kein artikulierter Laut, aber sowas in der Art gab er recht häufig von sich, weshalb das hier aufgeführt werden musste.)
Ja, “Dufte” ist ein feiner Kerl.
Ein weniger feiner Kerl war Oivlis, zusammen mit seinen ‘Kameraden’.
Klein, stämmig, XXL-Figur, XXS-Shirts,voller Testosteron und auch gut abgefüllt, muskelbepackt und ca. 130 KG schwer. Genauso sein Kumpel, den ich einfach “Halbglatzenuschi” taufe.
Zuerst war noch Bundespolizei in unserem Waggon, wodurch sie ordentlich in Schach gehalten werden. Doch diese steigt unvermittelt aus und nun ist Oivlis der “Kind of the ring”.
Er beschreitet unser Abteil und packt sofort den Herrn Blohm am Schopf (und zwar nicht zu knapp! Ich wusste gar nicht, dass er so gelenkig ist..) “Hast du was gegen Hansa???”
Nach Verneinung jener Frage lässt er dann Gott sei Dank wieder von ihm ab, da Halbglatzenuschi ihn davon überzegen kann, dass viel zu viel polizei noch im Zug war (“Ey, hier ist alles voller Bullen…”).
Wir haben sie nicht darüber aufgeklärt, dass die Bundespolizei bereits das Gefährt verlassen hat.
Wir starten den kontrollierten Rückzug, da wir uns sicher sind, dass wir ordentlich einstecken müssen, wenn Oivlis und HGU raus bekommen, dass keine Polizei mehr da ist.
Leider befinden wir uns in einem Waggon am Ende eines Zuges und am Durchgang zum Rest befinden sich die beiden Kameraden rechter Gesinnung.
Dann kommen sie von zwei Seiten, einer durch den unteren Zugteil, einer durch den oberen.
Blohmi stellt sich klugerweise mit dem Gesicht zur Wand, ich werde von Oivlis angemacht, ob ich Hamburg-Fan sei (“Was? Du bist für Hamburg???”). Meine Befürchtungen bestätigen sich nicht, Oivlis tritt den Rückzug an: er steigt aus. Glück gehabt.
Als dann alles vorbei war, kommt der Schaffner, den wir mit Hilfe des “Notfall-Knopfes” herbei gerufen hatten. Blohmi erstattet Anzeige, ich trete als Zeuge auf.
Allerdings durften wir zur Aufnahme des Tatbestandes die I. Klasse besetzen, ein wahrlich angenehmes Gefühl. Gemütlich Sitze, Tische und sogar Steckdosen. Nächstes Mal also I. Klasse reisen und den Laptop mitnehmen.
In Hamburg werden wir von der Polizei abgeholt, wo die Anzeige aufgenommen wird. Unterbrochen wird dies allerdings, als dann plötzlich ein anderer Polizist brüllt “DA LIEGT EINER IM GLEIS!!!”.
Der Zug wird am Fortsetzen seiner Fahrt gehindert (ich denke, ein Notschalter?!) und wer wird aus dem Gleisbett gezogen? “Dufte”.
Er wollte wohl aussteigen, ist dann zwischen Bahnsteig und Waggon nach unten gerutscht und kam kam nicht mehr alleine raus.
Darum kümmert sich die Polizei, wir gehen was essen. Eine Stunde später setzen wir uns in den Metronom in Richtung Bremen HBF.
Ein angenehmer Zug, die Fahrt verläuft ohne weitere Zwischenfälle. Fast alle schlafen, ich halte mich mühsam wach.
Wir kommen pünktlich in Bremen an, dort wird und jedoch mitgeteilt, dass wir 10 Minuten länger als geplant auf den Zug warten dürfen.
Die Abfahrt verzögert sich weiter, da man noch auf Anschlussreisende wartet, denn der Zug hat auch Verspätung. Ist ja in Ordnung, müssen die Leute nicht auf dem Bahnhof übernachten.
Mit 18 Minuten Verspätung verlassen wir Bremen HBF Richtung Bremerhaven.
Nach und nach zerstreut sich die Gruppe, bis nur noch Alex, Blohmi und ich übrig sind. Blohmi und ich verlassen die Obhut der Deutschen Bahn und ich bringe ihn nach Hause, bevor ich mich auf die Reise zu meinem Heiabett mache.
Bilanz: schätzungsweise 800-900 KM Strecke, knapp 13 Stunden Deutsche Bahn/Metronom 2. Klasse (ja, die 1. haben wir ja auch schätzen gelernt), 1 Stunde gemütlicher Stehplatz.
Aber es war eine super, Sache, ich würde es jeder Zeit nochmal machen. Wir haben uns auf den Weg gemacht um dem Innenminister mal zu zeigen, wo es lang geht!
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